Zuerst war da die Angst als du zu uns kamst, Angst du könntest entschwinden,
dich niemals an mich binden.
Angst du könntest gehen, woher du gekommen,
die Angst hat so viel Raum eingenommen.
Dann sind die Zweifel in mir aufgestiegen,
ob wir die Krankheit können besiegen.
Ob du kleines Wesen die Kraft hast, JA zum Leben zu sagen,
Zweifel, ob du das Leben wirklich willst wagen.
Dann kam die Verzweiflung, weil ich nicht durfte, unentwegt in deiner Nähe sein,
zu mancher Stunde ließ ich dich allein.
Ich hatte mir doch so fest vorgenommen,
dass du wirst begrüßt und in den Arm genommen.
Doch statt Nähe gabs nur den nackten Kampf ums Überleben,
so viel hätte ich dir zu diesem Zeitpunkt gern gegeben.
Dann kam der gefühlsmäßige Rückzug von all den Menschen, nur nicht von dir,
du warst im Herzen immer bei mir.
Dann kam das Gefühl versagt zu haben im Leben,
denn ich konnte dir so Vieles nicht geben.
Stundelang bin ich vor deinem Bettchen gesessen und hab dir vorgelesen,
wie schön wäre es doch gewesen …
… wenn du bei mir fest von meinem Armen umschlungen,
nicht hättest um dein Leben gerungen.
Dann war da die Freude, als ich dich das erste Mal vorsichtig aus deinem Bettchen genommen,
die Angst vor all den Schläuchen, hast du mir genommen.
Dann kamen Tränen vor Freude geweint,
denn der Arzt hat gemeint …
… Nichts ist zurückgeblieben,
du konntest die Krankheit besiegen.
Die Freude tat im Herzen weh,
gleich wie die Liebe wenn ich dich seh.
Nun ist da die Dankbarkeit und letztendlich die Liebe,
wenn ich dich in meinem Armen wiege.
Ich will dich begleiten, dich schützen dich lehren zu wagen,
auch weiterhin stets JA zum Leben zu sagen.
jeeny - 29. Jan, 18:20
Als mein Sohn das Licht der Welt erblickte, musste ich feststellen, dass ich von scheinbar perfekten Kindern umgeben war. Im Austausch mit anderen Müttern erklärte man mir ständig wie außerordentlich brav die Kinder anderer Mütter waren. Sie schliefen immer dann wenn die Mutter Erholungspausen benötigte. Quengeln oder raunzen war ein Fremdwort und wurde streng verpönt. Diese sogenannten perfekten Kinder lagen mucksmäuschenstill in ihren Kinderwägen. Blickte man in den Wagen dieser perfekten Kinder wurde man mit einem herzerreißenden Lächeln begrüßt.
Mein Sohn hingegen, hatte keine Lust stundenlang im Kinderwagen zu verbringen, er wollte herumgetragen werden, um alles zu sehen. Auch das Thema Schlafen war anfangs ein Problem. Quengeln und raunzen gehörte zum Alltag. Auch lächelte mein Sohn nur bestimmte Menschen an, er schien von Anfang an zu unterschieden, wen er Sympathie entgegen brachte und wen er einfach ignorierte. Alle hatten also perfekte Kinder nur ich nicht. Täglich wurde ich mit guten Ratschlägen überschüttet, wie auch mein Kind perfektioniert werden könnte. Unterschwellige Vorwürfe, wie „bin ich froh, dass mein Kind nicht den ganzen Tag nur quengelt“ konnte ich mir unentwegt zu Gemüte führen. Wenn mein Sohn zahnte, meinte man („Frau“) nur „ Gott sei dank ist mein Kind nicht so sensibel, es steckt die Schmerzen hervorragend weg“. Direkt wurde mein nicht perfektes Kind jedoch nie angegriffen, dafür waren die Mütter zu gut. „Sensibleres Kind“ klingt schließlich wesentlich besser als „ nicht perfektes Kind“. Sie schienen Mitleid mit mir zu haben. Bei jedem Treffen mit diesen perfekten Kindern, zog es mein Sohn vor unentwegt aus Leibeskräften zu brüllen, um seinen Unmut kundzutun.
Eines Tages begegnete mit eine Mutter von drei liebenswerten Kindern. Eine Mutter aus Fleisch und Blut ohne Perfektionismus. Auch ihre entzückenden Kinder quengelten, wenn sie müde wurden oder weinten wenn die Zähne plagten. Eine Mutter die ihre Kinder alleine großzog und trotzdem immer versuchte allen dreien genug Aufmerksamkeit und Zuwendung zu schenken. Gewiss waren ihre Erziehungsmethoden weit weg vom Perfektionismus. Stritten sich die zwei Großen um einen Stuhl, so konnte es schon mal vorkommen, dass dieser im hohen Bogen aus dem offenen Fenster in Richtung Garten flog. „ Streitobjekt entfernt, Streit beendet“ Und so war es dann auch. Viele Erzieher würden fassungslos den Kopf schütteln.
In der Trotzphase ist auch mal passiert, dass das Kleinste ein paar Tropfen kaltes Wasser über den Kopf geschüttet bekam, um den Trotzanfall ein Ende zu setzen. Auch das zeigte seine Wirkung. Alles andere als perfektes Vorgehen. Also begann ich zu eruieren, ob denn all diese sogenannten perfekten Kinder von perfekten Eltern herangezogen werden. Und so schien es auch. Die Mütter berichteten, dass sie niemals so richtig erschöpft oder müde waren. Laute Worte oder Gereiztheit war nie ein Thema. Diese wunderbar perfekten Kinder hatten also auch noch das Glück perfekte Mütter ihr Eigen zu nennen. Umso älter mein Sohn wurde, um so eher erkannte ich welche Zutaten man für perfekte Kinder benötigte.
Keine eigenen Bedürfnisse, das ist also das wichtigste das jede perfekte Mutter mitbringen muss. Weiters darf man niemals eingestehen, dass das Kind auch anstrengende Seiten besitzt. Tute immer was das Kind möchte, und das Baby wird anfangs unentwegt strahlen.
Wie ich auf das komme? Das ist ganz schnell erklärt. Diese sogenannten perfekten Kinder wurden zu Hause stundenlang durch die Wohnung geschleppt und schliefen mit drei Jahren nur im Bett der Eltern. Gekocht wurde täglich nur ihr Lieblingsessen. Das ergab meine Recherche. So aßen die Kinder immer brav, schliefen ohne Probleme im Ehebett ein und waren voll zufrieden, wenn sie stundenlang getragen wurden. Aus diesem Grund lagen sie bei den Spaziergängen auch so brav in ihren Wägen, weil sie den Rest des Tages stundenlang an den Körper der Mutter gepresst wurden.
Ich muss sagen auch heute noch ist mein Sohn keinesfalls perfekt und treibt mich manches mal in die Erschöpfung, aber um keinen Fall der Welt möchte ich ihn perfektionieren.
Das Ende meines Beitrags soll ein Appell an alle perfekten Mütter sein: „Geben sie sich bitte irgendwie zu erkennen, dass andere junge Mütter im Vorhinein wissen, mit wem sie es zu tun haben. So laufen „nicht perfekte Mütter und nichtperfekte Kinder“ nicht Gefahr mit der perfekten Gesellschaft vermischt zu werden! Den „Perfektion bleibt das Mitleid erspart und den nicht perfekten die Frustration und Illusion.
jeeny - 11. Jan, 20:05