….. ist in der Trotzphase!

Nein, Nein und nochmals Nein! Ich will! Nein, Trotzscheint bei den meisten Kindern zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr das Lieblingswort zu sein. „Zieh dir deine Jacke an, es ist kalt!“ „Nein!“ Dieses „Nein“ alleine schon kann manchen Eltern den letzten Nerv kosten. Wenn sich die Kinder dann auch noch kreischend auf den Boden werfen, um ihren Willen durchzusetzen, dann kann man annehmen die Trotzphase hat gerade seine Blütezeit.
Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor einiger Zeit im Einkaufszentrum vor der Kasse stand. Ein Mädchen so mit zwei Jahren saß im Einkaufswagen und wollte um jeden Preis etwas Süßes haben. Die Mutter erklärte ihr lang und breit, dass gleich Mittag gegessen wird und es deshalb nichts Süßes gibt. Irgendwann dann begann das Kind dermaßen zu brüllen, dass die gesamten Blicke der Einkaufenden auf der Mutter haften blieben. Es wurde getuschelt und Köpfe wurden geschüttelt. Man konnte aus den Gesichtern der Passanten ablesen, dass sie das Verhalten der Mutter missbilligten. Sie alle hätten dem Kind mit großer Wahrscheinlichkeit eine Schleckerei gekauft, nur um Ruhe in die Situation zu bringen.
Die Mutter hingegen machte gar nichts. Sie stand in der Schlange vor der Kasse und es schien als würde Sie von dem Geschrei nichts mitbekommen. Das Mädchen wurde zuerst immer lauter, weil es sie zu ärgern schien, dass sie nicht erreichte, was sie wollte und das obwohl sie mit vollem Einsatz dabei war.
Dann geschah etwas was mich erstaunte. Noch bevor die Mutter das Geschäft verlassen hatte war Ruhe eingekehrt. Das Kind scheint gewusst zu haben: Gegen Mama habe ich keine Chance. Es kamen, entgegen meiner Vermutung, nun auch keine Vorwürfe von Seiten der Mutter. Sie hob das Kind aus dem Einkaufswagen, gab ihr ein kleines Sackerl in die Hand und meinte „ Kannst Du mir bitte helfen, das nach Hause zu tragen, das ist ganz schön schwer!“
Das Mädchen nahm das Sackerl und spazierte neben der Mutter her. Der ganze Aufruhr von vorhin schien vergessen zu sein.
Ich weiß, ich selbst hätte den vorwurfsvollen Blicken meiner Mitmenschen wahrscheinlich nicht standgehalten und mein Kind hätte seinen Willen gewiss durchgesetzt.
War das Verhalten der Mutter richtig oder hätte sie auf die Wünsche des Kindes eingehen müssen?
Ich würde sagen, die Mutter hat vorbildhaft reagiert. Ein Kind während eines Trotzanfalls beruhigen zu wollen, wird in den meisten Fällen nicht gelingen. Einem Wutabfall nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken ist sicher eine gute aber nicht gerade einfache Lösung.


Warum gibt es die Trotzphase überhaupt?

Die Trotzphase ist für die kindliche Entwicklung ein genauso wichtiges Element wie jede andere Entwicklungsphase. Ein Kind erkennt, dass es einen eigenen Willen hat und dass sich dieser vom Willen der anderen unterscheiden kann. Weiters kann ein Kind nun merken, dass Konflikte zum Leben gehören. Gefühle zu äußern, ist ein wichtiges Kriterium für die Trotzphase. Wenn man sich diese Punkte vor Augen führt ist ein Trotzanfall vielleicht etwas leichter zu verstehen. Das Kind lehnt durch sein Verhalten nicht sie als Person ab. Nehmen Sie den Trotzanfall daher nicht persönlich. Wie stark und häufig ein Trotzanfall vorkommt, hängt vom Naturell und der Frustrationstoleranz des Kindes ab.


Wie kann ich einem Trotzanfall etwas Wind aus den Segeln nehmen?

Es gibt Situationen, da werden Sie einen Trotzanfall auf keinen Fall verhindern können. Es gibt meines Erachtens jedoch sicher einige Punkte, die diese Phase entspannter gestalten lassen.
Tanz

1. Versuchen Sie Ihrem Kind Wahlmöglichkeiten zu geben

ZB Möchtest Du lieber die rote oder gelbe Jacke anziehen? Möchtest du vor dem Schlafengehen lieber noch eine Gute-Nacht-Geschichte hören oder lieber ein Lied singen?

Sie geben ihrem Kind so die Möglichkeit selbst Entscheidungen zu treffen. Dass eine Jacke angezogen werden muss, bleibt aber unbestritten. Wenn Sie ein Kind fragen „Gehen wir jetzt ins Bett“, wird es gewiss selten begeistert mit einem „Ja“ antworten. Wenn Sie ihm aber die Möglichkeit geben, mit zu entscheiden wie sein Tag enden soll, dann geben Sie ihm eine klare Anweisung – es wird ins Bett gegangen – und Sie erlauben ihm eine Wahlmöglichkeit, indem sich Ihr Kind aussuchen kann, ob es lieber eine Geschichte vorgelesen bekommen möchte oder doch ein Lied singen will.

2. Regeln und Versprechungen gelten für alle

Regeln geben Kindern eine gewisse Sicherheit. Ein Kind weiß dadurch was erlaubt ist und was nicht. Kinder die gänzlich ohne Regeln aufwachsen haben Ängste, weil sie Situationen nicht mehr abschätzen oder einordnen können. Stellen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam Regeln auf und hängen Sie diese so auf, dass sie für alle Familienmitglieder ersichtlich sind. Es sollten aber nicht zu viele Regeln auf einmal sein, damit Sie das Kind nicht überfordern. Erstellen Sie die Regeln gemeinsam mit den Kindern. Wenn Regeln festgelegt wurden, die für alle Familienmitglieder gelten, dann vergessen Sie selbst auch nicht, sich daran zu halten. Ähnlich ist es mit Versprechungen. Versprechen Sie Ihrem Kind nichts, was nicht eingehalten werden kann.

3. Machtkämpfe lieber vermeiden

Gerade während eines Trotzanfalls, sollten Machtkämpfe vermieden werden, weil sie die Situation auf keinen Fall entschärfen.

4. Versuchen Sie einmal Ihr Kind während des Trotzanfalls zu ignorieren. Signalisieren Sie zwar, dass Sie das Verhalten des Kindes ablehnen, aber nicht das Kind selbst.


5. Geben Sie nicht nach, nur weil es bequemer ist, das Kind lernt nämlich sehr schnell „Wenn ich wütend werde, bekomme ich was ich will!“

6. Das Verhalten von Eltern sollte für das Kind immer berechenbar sein, da dies Sicherheit vermittelt.
Wenn ein Kind etwas haben möchte und Sie geben es ihm einmal, am nächsten Tag wird es aber verwehrt, kennt sich das Kind nicht mehr aus.

7. Versuchen Sie Ihr Kind in schwierigen Situationen einzubinden.

Lassen Sie es zB beim Einkaufen etwas tragen oder Ihnen helfen, die Lebensmittel zu suchen. Das Kind ist abgelenkt und hat das Gefühl wichtig zu sein.


Ich weiß, es ist immer leichter gesagt als getan. Auch wenn die Trotzphase manchmal noch so schwierig ist, halten Sie sich vor Augen, dass das Kind diese Phase dringend benötigt, um zu einem gesunden Kind heranwachsen zu können, das seine eigenen Gefühle wahrnehmen kann und in der Lage ist, mit Konfliktsituationen umzugehen.

Welche Verhaltensweisen waren für Sie hilfreich? Lassen Sie uns an ihren Erfahrungen teilhaben.

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