... will nicht essen!

Die Lieblingsspeise von gestern, wird heute verwehrt. Das sind eben Kinder! Mein Kind ist ein typisches Beispiel für einen schlechten Esser. Nudeln und Reis werden auf der Stelle ausgespuckt. Bei Gemüse muss ich mich auf drei Sorten beschränken, da er alles andere ablehnt. Nur Obst stellt kein Problem dar. Aus Angst mein Sohn könnte Mangelerscheinungen bekommen, habe ich so einige Menschen verrückt gemacht. Wöchentlich suchte ich die Mutterberatung auf und mehrmals wurde der Kinderarzt kontaktiert. Bis mir der Arzt Folgendes sagte: „Ein gesundes Kind ist noch nie vor dem vollen Teller verhungert!“ Diese Aussage gab mir zu denken. Als ich bei Bekannten und sogar bei meinen eigenen Eltern nachfragte, war ich überrascht, wie viele Kinder so ihre Eigenheiten beim Essen haben. Manche wollten wochenlang nur Kartoffel, Pommes, Pizza oder Wienerschnitzel und waren dennoch völlig gesunde Kinder. Vor einigen Wochen noch lehnte mein Sohn Felix Erbsen und Mais kategorisch ab. Seit zwei Wochen möchte er ausschließlich Mais und Erbsen zum Mittag- und Abendessen. Mittlerweile vertraue ich meinem Sohn. Wenn er nicht gerade ständig nach Süßem verlangt, lasse ich ihm seinen Willen, versuche aber seine Lieblingsspeisen stets mit einem kleinen gesunden Anteil zu versehen. Dann rutscht mir eben mal zufällig was Gesundes unter das Stückchen Fleisch auf der Gabel. Als Felix zu essen begann, wurde aus der Mahlzeit stets ein großes Trara gemacht. Er wurde gelobt, wenn er brav aß und ermahnt, lehnte er Speisen ständig ab. Mit der Zeit hatte er herausbekommen, welche Macht er über mich hatte. Das ganze wurde zu einem richtigen Machtspiel. Ich hatte keine Lust mehr zu kochen, weil er alles ablehnte. Aß er jedoch bei den Großeltern probierte er bei jeder Mahlzeit alle Speisen aus. Man muss dazusagen, dass bei den Großeltern Großfamiliencharakter vorherrscht. Mindestens 8 Personen essen gleichzeitig. Als ich mir das Familienessen dort genauer ansah, stellte ich fest, dass es eigentlich jedem egal war ob Felix aß oder nicht. Der Kleine lief einfach nebenher mit. Das war also die Lösung meines Problems. Dem Essen durfte ich also nicht zu viel Gewicht beimessen.
Hatte mein Sohn also Lust etwas zu essen, so konnte er zugreifen, solange er wollte. Lehnte er alles ab, so ging er hungrig ins Bett. Selbstverständlich achtete ich darauf, welche Speisen ihm wirklich nicht schmeckten und welche er nur prinzipiell ablehnte.


Pizza
Felix mit seiner Lieblingsspeise


Sollte auch Ihr Kind ein schlechter Esser sein, dann versuchen sie doch Folgendes:
  • Essen sollte nie als Belohnung, Bestrafung oder Trost eingesetzt werden.
  • Wenn Ihr Kind isst, braucht nicht applaudiert werden, es isst weil es Hunger hat und nicht weil es Ihnen gefallen soll.
  • Beachten Sie die Sättigungsgrenze. Hat Ihr Kind genug, sollte es auch nicht weiter essen müssen.
  • Zwischenmahlzeiten wie Schocklade, Biskotten etc. nehmen den Hunger.
  • Wenn Ihr Kind vor den Mahlzeiten sehr viel trinkt, kann dies auch das Hungergefühl beeinflussen.
  • Essen soll nicht zu einem Machtspiel zwischen Eltern und Kind werden.
  • Ein gesundes Kind isst auch, wenn es Hunger hat.
  • Das Auge isst mit.
  • Lassen Sie Ihr Kind bei der Zubereitung der Speisen mithelfen.
  • Essen Sie gemeinsam mit dem Kind – Vorbildswirkung.


Wie wir aus eigenen Erfahrungen wissen, isst das Auge mit. Servieren Sie die Speisen kindgerecht und kreativ. Wenn Sie Ihr Kind beim Kochen mit einbinden schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens erhöht sich die Chance, dass Ihr Kind die Speise auch isst und zweitens ist Ihr Kind sinnvoll beschäftigt und erhält dadurch das Gefühl helfen zu können.

Tipps einer Hebamme:Essen1

Im 4. bis 6. Monat kann ein Kind an Beikost mit gekochtem Obst und Gemüse gewöhnt werden. Den Zeitpunkt bestimmt das Kind indem es Interesse am Löffel zeigt und weniger Stuhlgang bekommt. Anfangs wird eine Brustmahlzeit schrittweise durch eine Frischkostmahlzeit ersetzt. Mit der Zeit wird dann eine Mahlzeit nach der anderen ersetzt, bis das Kind abgestillt ist. Mit Ruhe und ohne Zwang bestimmt jedes Kind seinen Rhythmus.

Im 4. bis 5. Monat wird gekochtes Obst und Gemüse gegeben und schrittweise auch als Rohkost angeboten. Bei Säften eignen sich frisch gepresster Karottensaft, Apfelsaft, Birnensaft, rote Rüben, Sellerie, Ananas, gemischte Säfte und Beerenbrei, Himbeeren, Ribisel, Erdbeeren, Steinobst, Bananen. Orangen sollten nur an sehr warmen Tagen gegeben werden, da sie den Körper abkühlen. Mit ca. 12 Monaten können zusätzlich zu Zucchini, Gurken, Spargel, Kartoffel, Kürbis etc auch noch weitere Speisen hinzugefügt werden. Getrocknete Feigen, Salat, Gewürze, Schnittlauch, Erbsen, Paprika, Pilze usw eignen sich ab dem ersten Geburtstag sehr gut.


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