Interview mit einer Ärztin der Mutter-Eltern-Beratungsstelle


Viele Eltern suchen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, wöchentlich oder bei Bedarf die Mutterberatungsstelle auf. Dort können die Kinder gewogen und abgemessen werden. Gerade Eltern von Intensivkindern nutzen die Mutterberatungsstelle gerne, um zu kontrollieren, ob das Kind ausreichend an Gewicht zugelegt hat. Frau Dr. Schwaighofer, eine Ärztin der Mutterberatungsstelle, die schon seit zwanzig Jahren Eltern mit Rat zur Seite steht, hat sich bereiterklärt einige Fragen zu beantworten.

babywaage
Babywaage



Was sind die Aufgaben in einer Mutterberatungsstelle?

Frau Dr. Schwaighofer:

Richtig ist Mutter-Eltern-Beratung.
Eltern kommen zur Beratung bezüglich der Entwicklung und Ernährung des Kindes oder zur Beratung bei banalen Infekten. Fragen ob ein Arzt aufgesucht werden muss. Schlafprobleme, Schlafrhythmus, Probleme die allgemeine Lebenssituation betreffend oder Fernsehgewohnheiten der Kinder, sind auch Themen, die mit uns besprochen werden. Es tauchen auch Fragen auf, wie zB „Wie verbringe ich den Tag mit meinem Kind“. Verdauungsprobleme, Verstopfung, Stuhlprobleme sind auch ein ganz wichtiges Thema.

Die Frage nach dem Tragetuch wird immer öfter gestellt. Wie binde ich das Tuch oder wie lange verwende ich es?

Lauflernhilfen und Wippen werden nicht empfohlen, da sie für die Entwicklung des Kindes schlecht sind, weil die Kinder nicht mehr krabbeln oder erst viel später krabbeln lernen. Der Hauptplatz für das Baby ist die Decke am Boden, so kann es seine Umgebung erarbeiten.

Ob die Entwicklung im Normbereich liegt, ist auch eine sehr häufige Frage der Eltern. Oft sind es Kleinigkeiten, bei denen wir weiter helfen.

Welcher Schnuller ist am geeignetsten?
Wir empfehlen Mollis Flaschen und Beruhigungssauger von MAM oder CHICCO. Kautschuk-Sauger sollten dem Latex oder Silikon Sauger vorgezogen werden. Schnuller sollten aber immer gezielt eingesetzt werden, wie ein Medikament; und nicht zur Gewohnheit werden lassen. Lebensumstände oder Wohnprobleme wie zB „Wie lange soll ich das Kinderzimmer lüften“, sind auch Themen der Mutter-Eltern-Beratung. In erster Linie machen wir Präventionsarbeit.



Wer arbeitet in der Mutter- Eltern-Beratungsstelle?

Frau Dr. Schwaighofer:

Entweder arbeitet eine Ärztin und eine Kinderkrankenschwester oder eine Ärztin mit einer Hebamme zusammen. Am Land werden auch gerne Sozialarbeiter eingesetzt.



Was raten Sie Eltern wenn das Kind ein schlechter Esser ist?

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Suppenkasper

Frau Dr. Schwaighofer:

Einmal am Tag sollte Obst und einmal Gemüse (Kartoffel zählt zum Gemüse) mit ein bisschen Fleisch gegessen werden.
Wichtig ist das Bewusstsein für Süßes. Verdünnungssäfte nehmen den Appetit. Das Kind sollte Wasser oder Tee zu sich nehmen. Bis zum Kindergartenalter hat man es als Elternteil noch gut in der Hand wie viel Süßes ein Kind zu sich nimmt. Dann wird es schon schwieriger, weil das Kind beginnt nach Süßem zu verlangen.
Süßes sollte auf jeden Fall eine Ausnahme darstellen.

Der Tag soll immer Säulen haben. Das heißt, das Kind braucht einen fixen Tagesablauf auf den es sich verlassen kann. Das gilt fürs Essen, Schlafen usw.

2er und 3er Nahrung wird überhaupt nicht mehr empfohlen, wegen dem hohen Zuckergehalt. Die Kinder werden davon nur dick. Die 1 er Nahrung ist empfehlenswert und genügt auch.

Das Kind soll zwischen drei und vier Uhr nicht mehr schlafen gelegt werden, lieber früher am Abend ins Bett bringen.

Ab dem 1. Geburtstag kann das Kind alles essen - aufgeteilt auf fünf Mahlzeiten pro Tag; ein Frühstück, eine Vormittagsjause, Mittagessen, Nachmittagsjause und Abendessen. Die Kinder können alles mitessen was die Erwachsenen essen. Wichtig dabei ist, auf das Obst und Gemüse nicht zu vergessen.



Was kann ich tun wenn mein Kind nicht schläft?

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Babywiege

Frau Dr. Schwaighofer:

Die Mehrzahl der Kinder schläft nicht durch. Das Kind sollte einen eigenen Bereich für sich haben, aber in der Nähe der Eltern schlafen. Der Geruch der Mama in der Nähe wirkt beruhigend (zB ein Leintuch oder Kuscheltier das nach der Mama riecht mit ins Bettchen legen). Ob ein Kind gut schläft, hängt auch vom regelmäßigen Tagesablauf ab. Frische Luft; Ernährung und Stress; können den Schlaf beeinflussen. Vor dem zweiten Lebensjahr sollte ein Kind auf keinen Fall vor dem Fernseher sitzen und auch nicht passiv konsumieren, da es die Bildabfolge nicht verarbeiten kann. Ich rate den Eltern auch, das Kind soll zwischen drei und vier Uhr nachmittags nicht mehr schlafen gelegt werden, lieber früher am Abend ins Bett bringen. Ist das Kind nämlich um vier noch in einer Tiefschlafphase wird es die Nicht weniger lange schlafen.

Das Buch Auf die Welt gekommen kann ich sehr empfehlen. Das Buch geht davon aus, dass auch das Geburtserlebnis für den Schlaf des Kindes eine Rolle spielt. Gerade Schreibabys haben oft das Geburtserlebnis noch nicht verarbeitet. Oft ist es auch so, dass Eltern in guter Absicht zu viel mit dem Kind unternehmen und das Kind damit überfordern.
Das Kind braucht im ersten Jahr lediglich die Eltern ganz dringend.

Ein Grund, warum Kinder nicht schlafen, sind auch manchmal Bauchschmerzen.
Die Mutter sollte max. 1 bis 2 Tassen Fencheltee und Stilltee pro Tag zu sich nehmen, da das Kind sonst Bauchschmerzen bekommen kann.
Erklären sie auch dem Baby schon bestimmte Sachen, dass es zB an Beziehungsproblemen nicht Schuld ist. Oder wenn ein Tag stressig ist, erklären sie ihm wieso.
Erst, wenn ich mir in der Mutter-Eltern-Beratung den Tagesablauf der Familie erzählen lasse; finde ich heraus, warum das Kind nicht schläft.
Wichtig ist immer, dass man viel Geduld mit den Kindern hat, und Mütter nachts nicht mitzählen wie oft sie aufstehen müssen, da dies wieder stresst.

Auf keinen Fall soll vergessen werden auch die Väter miteinzubeziehen.



Wie viel Stunden schläft ein Kind?

Frau Dr. Schwaighofer:

Im Alter von 1 bis 3 Monaten schlafen Kinder ca. 16 ½ Stunden mit 1 ½ Stunden Wach- und Schlafphasen.
Von 4 – 6 Monate: ca. 14 ½ Stunden. Die Wachphasen werden länger
Von 7 – 12 Monate: ca. 14 ½ Stunden und 2 x am Tag einen Pausenschlaf
Ab einem Jahr nimmt die Schlafenszeit ab. Es sind dann ca.12 Stunden und wird immer kürzer. Die Schlaflänge kann hier aber stark variieren.



Muss ich die Zähne des Kindes von Anfang an putzen?

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Zahnbürste für die Kleinen

Frau Dr. Schwaighofer:

Ja! Am besten eignen sich anfangs die Fingerlinge die es zu kaufen gibt. Wichtig ist auch, dass das Kind sieht, dass die Eltern auch die Zähne putzen. Ein Kind braucht auch klare Regeln und Grenzen, und Zähne putzen ist eine dieser wichtigen Regeln, die zum Tagesablauf gehören.

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